Thesaurierend oder ausschüttend?
Welche ETF-Variante zu deinem Anlageziel passt.
Zuletzt aktualisiert am 9. Juli 2026
Bei fast jedem ETF kannst du zwischen zwei Varianten wählen: thesaurierend oder ausschüttend. Der Unterschied liegt in einem einzigen Punkt — was mit den Erträgen passiert, die der ETF aus seinen Anlagen einnimmt. Bei einem Aktien-ETF sind das vor allem die Dividenden der enthaltenen Unternehmen. Die Anlagestrategie bleibt dieselbe, beide Varianten bilden denselben Index ab.
Ausschüttend: Erträge fließen aufs Konto
Ein ausschüttender ETF zahlt die Erträge regelmäßig auf dein Verrechnungskonto aus, meist quartalsweise oder halbjährlich. Du bekommst also echtes Geld gutgeschrieben, über das du frei verfügst. Das ist praktisch, wenn du ein laufendes Einkommen aus deinem Depot ziehen möchtest, etwa im Ruhestand. Ein Nebeneffekt: Die Ausschüttungen füllen automatisch deinen jährlichen Sparerpauschbetrag, bis zu dem Kapitalerträge steuerfrei bleiben. Damit dieser Freibetrag tatsächlich greift, richtest du bei deinem Broker einen Freistellungsauftrag ein — sonst führt er auf die Erträge gleich Steuern ab. Willst du weiter Vermögen aufbauen, musst du die Ausschüttungen allerdings selbst wieder anlegen — sonst liegt das Geld ungenutzt herum.
Thesaurierend: Erträge bleiben investiert
Ein thesaurierender ETF legt die Erträge automatisch wieder im Fonds an. Du siehst keine Auszahlung, dafür steigt der Wert deines Anteils entsprechend. Der Vorteil: Die Erträge werden sofort wieder mitverzinst, sodass der Zinseszinseffekt ohne dein Zutun greift. Für den langfristigen Vermögensaufbau in der Ansparphase ist das die bequeme Variante — du musst nichts nachkaufen und vergisst keine Wiederanlage.
Ein Beispiel zeigt den Unterschied
Angenommen, zwei ETFs auf denselben Index werfen jährlich 2 % Dividende ab. Beim thesaurierenden ETF bleiben diese 2 % im Fonds und verzinsen sich ab sofort mit. Beim ausschüttenden ETF landen sie auf deinem Konto. Legst du sie nicht sofort selbst wieder an, fehlt dir dieser Baustein im Zinseszins. Über zehn oder zwanzig Jahre summiert sich das spürbar — vorausgesetzt, du reinvestierst Ausschüttungen nicht diszipliniert von Hand.
Welche passt zu dir?
Die Wahl hängt von deinem Ziel ab:
- Ansparphase, langfristig: thesaurierend. Die automatische Wiederanlage nimmt dir Arbeit ab und nutzt den Zinseszins voll.
- Laufende Auszahlungen gewünscht: ausschüttend. Du bekommst regelmäßig Geld, ohne Anteile verkaufen zu müssen.
Bei kleinen Depots fällt der Unterschied ohnehin kaum ins Gewicht — beide Varianten sind eine gute Wahl, solange du überhaupt anfängst.
Steuerlich nehmen sich beide Varianten in Deutschland heute wenig. Damit das Finanzamt auch bei thesaurierenden Fonds nicht bis zum Verkauf leer ausgeht, wird auf sie die sogenannte Vorabpauschale erhoben — eine kleine jährliche Vorauszahlung auf spätere Gewinne. Für die Grundsatzentscheidung spielt das aber selten die Hauptrolle. Wichtiger ist, ob du dein Geld ansparen oder ausgezahlt bekommen willst.
In der Praxis wählen viele Sparer für die Ansparphase einen thesaurierenden ETF und wechseln erst später, wenn sie Auszahlungen brauchen. Beide Varianten desselben Index gibt es fast immer parallel. Ein Wechsel bedeutet aber einen Verkauf und Neukauf und kann Steuern auslösen. Plane die Variante deshalb am besten von Anfang an passend zu deinem Ziel.
Häufige Fragen
Was ist steuerlich besser, thesaurierend oder ausschüttend?
In Deutschland sind beide Varianten seit der Investmentsteuerreform 2018 weitgehend gleichgestellt. Ausschütter nutzen deinen Sparerpauschbetrag automatisch mit jeder Auszahlung; bei Thesaurierern übernimmt das die jährliche Vorabpauschale. Ein klarer Steuervorteil für die eine oder andere Seite besteht heute in der Regel nicht.
Woran erkenne ich, welche Variante ein ETF ist?
Am Namen und im Factsheet. Ausschüttende ETFs tragen oft den Zusatz „Distributing", „Dist" oder „D", thesaurierende „Accumulating", „Acc" oder „C". Im Zweifel steht die Ertragsverwendung klar im Datenblatt des Fonds.
Keine Anlageberatung. Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und ersetzt keine individuelle Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Anlageentscheidungen triffst du eigenverantwortlich. Investieren birgt Risiken bis zum Verlust des eingesetzten Kapitals.